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Ida im Kindergarten

"Ida wird so angenommen, wie sie ist."

Kindergarten

Ida ist 5 Jahre alt und hat das Down-Syndrom. Sie geht in den Kindergarten "Schulberg". Behrang Samsami hat sie dort besucht und darüber geschrieben.

Viele Menschen sprechen über das Thema Inklusion.
In Schleswig-Holstein und überall in Deutschland.
Aber meistens geht es in Gesprächen über Inklusion um das Thema Schule.

Aber wie funktioniert Inklusion im Kindergarten?
Darüber haben Behrang Samsami und Detlef Letzner gesprochen.
Detlef Letzner leitet einen Kindergarten in Kellinghusen.
Kellinghusen ist eine kleine Stadt im Land Schleswig-Holstein.

Detlef Letzner leitet den Kindergarten "Schulberg".
In diesen Kindergarten geht auch Ida.
Sie ist 5 Jahre alt und hat das Down-Syndrom.

Herr Letzner, in Ihren Kindergarten gehen Kinder mit und ohne Behinderung.
Wie ist das für die Eltern? Wie finden sie es?

Detlef Letzner sagt:

"Sie finden es sehr gut.
Die Eltern sagen sich: Unsere Kinder haben es dadurch leichter.
Sie lernen schon als Kinder: Es gibt Menschen mit und ohne Behinderung.
Alle lernen sich schon kennen.
Dann kann man leichter miteinander umgehen.
Das wichtigste in einem Kindergarten ist: Alle Kinder haben dort einen Raum.
Die Kinder selbst füllen diesen Raum.
Sie erobern ihn sich.
Dafür brauchen sie eine kleine Gruppe von Kindern.
Und man muss ihnen Angebote machen, um etwas zu lernen."

Wie sieht der Alltag für Ida im Kindergarten aus?
Detlef Letzner sagt:

"Ida wird so angenommen, wie sie ist.
Sie läuft ganz normal mit.
Natürlich macht sie manche Sachen anders oder langsamer als andere Kinder.
Aber es gibt auch Bereiche, in denen sie Sachen besonders gut kann.
Sie nimmt zum Beispiel schnell Kontakt zu anderen Kindern auf.
Die anderen Kinder spielen gerne mit ihr.
Manche Dinge sind bei Ida anders, weil sie das Down-Syndrom hat.
Das kann man nicht ändern.
Viele Dinge lernt Ida langsamer.
Aber wenn sie gute Förderung bekommt, kann sie viel schaffen. 
Jetzt schon als Kind. Und auch als Erwachsene.

Ida beim Fahrrad-Fahren Was ist bei Ida anders?
Detlef Letzner sagt:

"Viele Menschen sagen: Kinder mit Down-Syndrom sind stur.
Sie wissen genau, was sie wollen.
Bei Ida ist das so. 
Wenn sie etwas nicht will, dann ist das so.
Man kann auch nicht mit ihr darüber reden.
Sie ändert ihre Meinung nicht.
Das ist bei anderen Kindern leichter.
Aber wenn man weiß, wie Ida denkt und funktioniert, ist alles gut.
Dann kommen wir alle gut miteinander klar.

Manchmal brauchen Kinder mit Down-Syndrom mehr Zeit.
Sie können nicht sofort auf etwas reagieren.
Manchmal sind sie überfordert. Und das zeigen sie auch.
Kleine Kinder hören dann zum Beispiel auf, sich zu konzentrieren.
Größere Kinder machen dann nicht mehr mit."

Wer betreut Ida?
Detlef Letzner sagt:

"Der Kindergarten "Schulberg" ist ein Kindergarten für Kinder mit und ohne Behinderung.
Kinder mit Behinderung nennen wir Integrations-Kinder.
Ida ist ein Integrations-Kind.
Ida spielt mit allen Kindern zusammen im Kindergarten.
Regelmäßig kommt eine Heil-Pädagogin dazu.
[Eine Heil-Pädagogin ist eine Erzieherin für Kinder mit Behinderung.]
Sie betreut Ida.
Nicht nur Ida alleine.
Sondern zusammen mit den anderen Kindern.
Die Heil-Pädagogin kommt oft in den Kindergarten.

Ida und ihre Mutter beim Essen

Wie oft kommt die Heil-Pädagogin in den Kindergarten "Schulberg"?
Detlef Letzner sagt:

"Die Heil-Pädagogin kommt 2x in der Woche.
Einmal für 2 Stunden. Und einmal für 4 Stunden.
Sie schreibt auch Berichte.
Und sie spricht mit den Ämtern."

Wie groß ist Idas Gruppe im Kindergarten "Schulberg"?
Detlef Letzner sagt:

"In Idas Gruppe sind 15 Kinder.
Die Kinder sind unterschiedlich alt.
Manche sind jünger, andere sind schon älter.
Sie sind zwischen 3 und 6 Jahren alt.
Ida findet die kleine Gruppe gut.
So können alle genauer darauf achten: Was braucht Ida?
In einer normalen Kindergarten-Gruppe sind 20 oder 22 Kinder.
Das ist schon etwas unruhiger."

Kinder, die das Down-Syndrom haben, zählen doppelt?
Kann man das so sagen?

Detlef Letzner sagt:

"So ähnlich, ja.
Das Ziel ist: Kinder mit Behinderung sollen in einen ganz normalen Kindergarten gehen.
Zusammen mit allen anderen Kindern.
Dafür gibt es besondere Kindergarten-Plätze.
Man nennt sie Integrations-Plätze.
Kinder mit einem Integrations-Platz bekommen mehr Betreuung.
es sind immer 2 Personen in der Gruppe: Eine Erzieherin und eine Sozialpädagogische Assistentin.
Und die Kindergarten-Gruppe ist kleiner.
Das ist die Voraussetzung.
Sonst geht es nicht."

Wer sagt, welches Kind einen Integrations-Platz bekommt und welches Kind nicht?
Detlef Letzner sagt:

"Das bestimmt das Gesundheits-Amt.
Dort gibt es Amts-Ärzte.
Sie untersuchen die Kinder.
Dann schreiben sie ein Gutachten.

Wir als Kindergarten können eine Empfehlung abgeben.
Wir können sagen: Dieses Kind braucht einen Integrations-Platz.
Aber wir entscheiden nicht darüber.

Das Gesundheits-Amt bezahlt auch dafür, dass Kinder mit Behinderung in denselben Kindergarten gehen können wie alle anderen Kinder.
Bei uns in Schleswig-Holstein ist das so.

Im Grund-Gesetz gibt es den Artikel 3.
Darin steht: Menschen mit Behinderung dürfen nicht benachteiligt werden.
Sie haben dieselben Rechte wie alle anderen Menschen.
Darum bezahlt der Staat dafür.
Die Eltern müssen es nicht bezahlen."

Dieses Interview hat Behrang Samsami gemacht. 
Er hat es für NDR.de gemacht.
TOUCHDOWN 21 darf es benutzen. 
Vielen Dank dafür!

Anne Leichtfuß hat das Interview in klare Sprache übersetzt.

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