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Schreibende Männer

Schreiben

Es ist noch nicht lange her, dass Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen dachten: Menschen mit Down-Syndrom können nicht lesen und schreiben.

Ohrenkuss ist ein Magazin.
Es entsteht seit fast 20 Jahren in Bonn.
Erwachsene Menschen mit Down-Syndrom schreiben und diktieren die Texte dafür.
Über vieles haben sie schon geschrieben: über Ohrwürmer und Musik, Gut und Böse, über Wunder, die Liebe und die Entstehung der Welt.
Hier schreiben sie über das Schreiben.
Und darüber, was es ihnen bedeutet, für Ohrenkuss zu schreiben. 

Angela Fritzen ist Ohrenkuss Gründungsmitglied.
Sie fasst es kurz und knapp zusammen:

„Schreiben ist Freiheit.“

Sie ist sich sicher: Auch Menschen mit Down-Syndrom können Schriftstellerinnen und Schriftsteller sein:

„Diese Schriftsteller können sehr schnell schreiben ziemlich sehr gut sogar.
Die sind Profis.
Die verdienen Geld.
Wenn man sehr schnell schreiben kannst, dann sind wir auch Schriftstellerin, und das macht uns sehr viel Spaß mitander, von Kollegen und Kollegin, die sind gemischt mit Frauen und Männer - aber wir sind Down-Syndrom haben.
Ich bin sehr stolz, dass wir gut schreiben.
Über das Schreiben schreiben ist Spaß zu haben.
Schreiben ist mein Lieblingshobby. Ich bin glücklich.“

Aber was macht einen Schreib-Profi wirklich aus?
Ist es nur die Geschwindigkeit beim Tippen?
Marc Lohmann glaubt: Es geht auch um die Gedanken im Kopf.
Er diktiert:

„Ich schreibe mit der Hand oder ich kann ohne Hand schreiben, auch auf dem Computer aufschreiben.
Und ich kann andere Texte lesen und schreiben.
Ich kann nur mit rechts arbeiten, nur nicht mit links.
Weil dann krieg ich einen Krampf.
Schreiben tu ich nur mit der rechten Handfläche benutzen.
Schreiben, wenn ich mein Kopf im Computer aufgebaut wird, Konzentration ich innen drin üben kann.
Das ist ganz wichtig, im Kopf auch mit dem Gehirn weiterzuarbeiten.
Zu arbeiten ganzen Kopf ist auch mit dem Stirn, beides zusammen auch arbeiten kann.“

Anna-Maria Schomburg glaubt: Es geht nicht nur ums Schreiben.
Echte Autorinnen und Autoren werden auch gedruckt.
Sie diktiert:

„Ein Autor ist jemand, der sich fürs Schreiben interessiert und sein Schreiben in die Öffentlichkeit herauszugeben.
Sein Interesse ist es, Bücher oder Texte zu schreiben die die anderen Leute gerne lesen.
Ich schreibe und verfasse gerne Gedichte, zu denen ich gut was sagen kann und ich fühle mich als Gedichtautor sehr gut und sehr wohl!
Viele Autoren schreiben gerne und haben bestimmt ein gutes Gefühl, wenn ihr Buch und ihr Schreiben gerne von Anderen gelesen wird.“

Davon träumt auch ihr Kollege Martin Weser.
Er schickt seine Texte handgeschrieben in die Ohrenkuss-Redaktion.
Er schreibt:

„Weil das Spaß macht für mich das Schreiben.
Das Schreiben ist für mich bedeutet.
Es bedeutet überall auf der Welt auch das Schreiben.
Das Leben bedeutet auch viele Menschen für das Schreiben.
Der viele Bücher schreibt zum Beispiel Astrid Lindgren und auch Joanne K. Rowling, die sind Autor.
Und auch Enid Blyton und Erich Kästner, die sind Autor.
Und ich.
Wir schreiben unsere Bücher selber.
Dann werden wir Autor und verdienen Geld dafür.
Ich möchte auch mal Autor werden, das ist für mich das Gefühl.
Ich habe niemals Bücher geschrieben, aber ich wollte es immer wieder tun.
Dafür muss man viel Gedanken machen, für den Buch.
Ich möchte so gerne mal Bücher schreiben ich will auch anderen Platz haben für die Bücher ausdrucken werden.
Ich habe Platz genug, mein Zimmer.
Dann werde ich die Bücher auf mein Sofa hin tun.
Ich möchte auch mal Autor werden!
Ich möchte Büro haben für mein Platz, dann schreibe ich die Bücher.
Ich will die Bücher fertig ist, dann werde ich es in ganzen Welt verkaufen.
Hier habe ich Platz dafür mich ganz alleine zu haben, das mir niemals stören kann.“

Maria Trojer findet: Dichterin ist ein schöner Beruf.
Sie hat ein Gedicht darüber geschrieben:

Dichterin
Dichterin ist ein schöner Beruf.
Das möchte ich gerne sein.
Und am Tage weiter träumen,
um berühmt zu werden.
Weiter bilden – gute Dichtung.
Dichterleben –wohlzufühlen.
Alle Leute werden klatschen.
Tag für Nacht, da schreibe ich.
Um den guten Eindruck zu machen.
Alle werden mich doch loben.

Nora Fiedler weiß:

„Ich bin ein Mensch, weil ich sehr viel Talent habe: mit Schreiben.“

Michaela König geht sogar noch weiter. Schreiben ist ihr Leben:

„Das Schreiben ist mein ganzes Leben, das Schreiben fühlt meinen ganzen Lebensinhalt aus.
Das Schreiben bedeutet mir einfach alles, das Schreiben ist für mich zum Hauptberuf geworden.
Weil ich ohne das Schreiben nicht exestiere.“

Auch Julian Göpel definiert sich über das Schreiben:

„Wir sind Künstler und Redakteuren, Schriftsteller.“

Also: Lauter Schreib-Profis in der Ohrenkuss-Redaktion.
Aber wie fing das an?
Wie haben die Autorinnen und Autoren lesen und schreiben gelernt?
Bei Carina Kühne war es so:

„1992 wurde ich in eine Regelschule eingeschult und habe ganz normal mit meinen Klassenkameraden Schreiben gelernt.
Für mich ist es schon wichtig, dass ich schreiben kann.
Viele denken, dass Menschen mit Down-Syndrom wegen ihrer Behinderung nicht lesen und schreiben können.“

Martin Weser ist dem Mann, der ihm das Schreiben beigebracht hat, immer noch dankbar.
Er schreibt:

„Ich habe ganz früher von meinem Lehrer bringt mir Schreiben bei.
Ich konnte auch keine Buchstaben erkennen, als ich noch kleine Auge hatte.
Ich habe das Schreiben selber bei gebracht.
Ich habe Schreiben dazu gelernt!
Ich halte ganz menge von meinem Lehrer, der mir das Schreiben gelernt hat.“

Carina Kühne findet, das Alphabet ist eine ziemlich praktische Erfindung:

„Man schrieb in der Vergangenheit z.B. mit ägyptischen Hieroglyphen altgermanischen Runen und babylonischer Keilschrift.
Das Alphabet besteht aus 26 Buchstaben.
Man kann daraus Wörter, Sätze, Briefe, Mitteilungen, Artikel, Bücher und Drehbücher schreiben.
Ich finde Buchstaben besser, praktischer und einfacher.
Wir können sie besser beherrschen, weil wir es gewohnt sind so zu schreiben.
Verbotszeichen, Warnzeichen, Gebotszeichen, Verkehrs- und Hinweisschilder sind aber sehr wichtig, weil sie eindeutig sind und von jedem verstanden werden.
Emoticons sind auch Schriftzeichen, die man bei einer SMS oder E-Mail verwenden kann.“

Und auch Paul Spitzeck bleibt pragmatisch:

„Schreiben ist wichtig: Ja.
Lesen, selber.
Wenn schreiben nicht geht – keine Bücher lesen, kein Bauplan machen.
Das ist auch wichtig.
Man braucht ein Aufbauplan fürs Zelt.
Wenn nicht schreiben, weiß nicht, welche Marmelade im Glas und ob noch gut.“

Autorin Gabrielle Garrigan

Wenn man den gedruckten Ohrenkuss in der Hand hält – wie fühlt sich das an?
Björn Langenfeld beschreibt es:

„Meine Gefühle: Das ist gedruckt.
Text ist wunderschön.
Jetzt meine Name.
Meine Eltern freut der Heft, meine Name - stolz.
Meine Mutter die freut mich an Text geschrieben hat, dann kommt stolz und sie Fernsehen geguckt, meine Eltern, Ohrenkuss gesehen, die Leute hat am Telefon gesagt, für mich schreiben, schön schreiben, viel schreiben, Spaß macht.
Keine Pause, weiter schreiben, freu mich drauf, mich, ich schreibe.
Möchte ich gerne arbeiten.“

Auch sein Kollege Marc Lohmann kennt das Gefühl.
Er schreibt:

„Ein Ohrenkuss ist sehr wertvoll.
Ich find’s gut auf meinen Namen zu schreiben in dem Text bei mir aufgeschrieben und das zu lesen im Heft steht.
Ich finde sehr schön bei Ohrenkuss zu schreiben Thema über Schreiben, was wir wollen über die Texte zu schreiben und diktieren, weil wir Menschen mit Down-Syndrom Arbeitskollegen zusammenhalten ohne Ende, keine Pause.
Dann habe ich noch zu sagen, gleich kurze Pause, nicht länger, weil dann müssen wir endlich zu Gang kommen und Ohrenkuss weiterhin viel Erfolg und gebt nicht auf und schreibt weiter bis das ganze Ohrenkuss Heft voll geschrieben ist mit den Texten, mit den Heften Fotos und die Bildern, die wir gesehen haben, diktiert von www.ohrenkuss.de.“

Daniel Rauers denkt zuerst an die Leserinnen und Leser.
Er diktiert:

„Wenn Leute den Ohrenkuss lesen - dann sind die glücklich.“

Michael Häger findet:

„Schatz ist ein Ohrenkuss.“

Viele Ohrenkuss-Autorinnen und –Autoren schreiben nicht nur für das Magazin.
Sie sind echte Vielschreiber.
Carina Kühne zum Beispiel:

„Ich kann meine Erlebnisse, Erinnerungen und Gedanken in das Tagebuch oder in meinen Computer schreiben.
Ich habe auch einen Blog.
Ich schreibe gerne Artikel und freue mich, wenn sie veröffentlicht werden.“

Romy Reißenweber wünscht sich eine Brieffreundschaft.
Sie schreibt in einer E-Mail:

„Es ist sehr wichtig, weil man anderen etwas mitteilen kann. Buchstaben von A-Z. Ein Buchschreiber.
Viele Menschen wissen dann, was ich denke.
Wenn Jesus noch da wäre hätte ich Ihn gerne kennen gelernt und Ihm Briefe geschrieben.“

Angela Fritzen fasst in einer Liste zusammen, was sie am Schreiben wichtig findet:

„Schreiben macht viel Spaß.
Schreiben mit dem Computer.
Schreiben ist viel lernen.
Schreiben ist sehr wichtig und konzentrieren dabei zu sein und aufpassen, gut zuhören.
Was ist noch wichtig zu schreiben? Ganz ein wach alles.
Wir schreiben viel. Das ist von Kollegen und Kollegin aber mit Menschen von Down-Syndrom haben.“

Es geht also nicht nur ums Schreiben beim Ohrenkuss – sondern auch darum, Neues zu lernen. Zu recherchieren.
Neue Dinge kennenzulernen.
Das eigene Wissen zu erweitern.
Johanna von Schönfeld findet:

„Das ist klaro faszinierend!“

Angela Fritzen schreibt:

„Denken macht schlau.
Denken kann sehr vieles.
Was wir denken ist das Schreiben.
Aber das Denken, das bleibt im Kopf.
Das muss alles raus, was wir uns denkt.
Wir denken nach, dass wir bei dem Ohrenkuss beim Schreiben zu nachzudenken.
Denken macht schlau.“

So entstehen Ohrenküsse.
Denn: Man sieht und hört jeden Tag so vieles.
Das geht zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus.
Aber das Wichtige, das bleibt im Kopf.
Und das ist dann ein Ohrenkuss.

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